Im September leuchtet weltweit eine goldene Schleife. Für die meisten Menschen ist sie ein Symbol unter vielen, das in diesem Monat auf Social Media auftaucht und wieder verschwindet. Für mich ist sie eine Erinnerung. Denn die goldene Schleife steht für den internationalen Kinderkrebs-Awareness-Monat, und ich war eines der Kinder, für die sie steht.
In diesem Beitrag erzähle ich meine Geschichte, weil ich glaube, dass Bewusstsein nicht von allein entsteht. Es entsteht, wenn Menschen bereit sind, hinzuschauen, auch wenn ein Thema unbequem ist. Und weil ich glaube, dass hinter jeder goldenen Schleife ein echtes Kind steht, eine echte Familie, eine echte Geschichte.
Die goldene Schleife ist das internationale Symbol für Kinderkrebs-Bewusstsein. Der September wurde als globaler Awareness-Monat gewählt, um auf die besondere Situation von Kindern und Jugendlichen aufmerksam zu machen, die an Krebs erkranken, und auf die Familien, die mit ihnen durch diese Zeit gehen.
Anders als bei vielen anderen Krebserkrankungen erhält das Thema Kinderkrebs im öffentlichen Bewusstsein oft wenig Raum. Genau deshalb ist der September für Organisationen, Familien und Betroffene so wichtig: Er schafft Sichtbarkeit für ein Thema, das sonst häufig im Stillen bleibt.
Ich war vier Jahre alt, als sich meine Kindheit in ein Davor und ein Danach teilte. In dem Alter, in dem andere Kinder Sandburgen bauen und die Welt zum ersten Mal wirklich entdecken, habe ich gelernt, wie ein Krankenhausflur klingt. Ich habe gelernt, was es heißt, wenn Erwachsene leiser sprechen, sobald sie glauben, dass man schläft. Ich habe gelernt, für sein Leben zu kämpfen, ohne zu verstehen, was das Wort überhaupt bedeutet.
Ich erinnere mich nicht an alles. Manches davon war zu früh, um es in Worte zu fassen. Aber der Körper vergisst nicht, was der Kopf nicht mehr greifen kann. Etwas ist geblieben, ein Gefühl, das mich mein Leben lang begleitet hat, lange nachdem die Diagnose selbst Geschichte war.
Was nach der Krankheit blieb, war ein Zustand, den ich lange nicht benennen konnte. Nicht mehr krank, aber auch nicht ganz gesund. Nicht mehr das kranke Kind, aber auch nicht wie die anderen. Nirgends ganz zugehörig.
Jahrelang habe ich gedacht, dieses Dazwischen-Gefühl sei etwas, das ich überwinden muss. Heute sehe ich es anders. Es war das Fundament, auf dem alles andere aufgebaut ist, was ich heute über Resilienz weiß und weitergebe.
In dieser Zeit waren es vor allem zwei Menschen, die mich getragen haben.
Meine Mutter war still, und trotzdem mein größtes Vorbild. Sie hat nicht viele Worte gebraucht. Sie war einfach da, Tag für Tag. Manchmal ist genau das die stärkste Form von Kraft, die es gibt.
Und da war mein kleiner Bruder. Er war selbst noch so klein, und trotzdem hat er mir damals schon Kraft gegeben, ohne dass ihm bewusst war, was er da eigentlich tat. Seine bloße Anwesenheit, seine Art, einfach Kind zu sein, hat mir geholfen, alles zu überstehen. Er hat mir Kraft gegeben zu kämpfen. Darum zu kämpfen ihn zu sehen, ihn aufwachsen zu sehen und mit ihm zu spielen. Manchmal ist es nicht das große Wort, das trägt, sondern die Person, die einfach da ist.
Ich erzähle diese Geschichte nicht, um Mitleid zu wecken. Ich erzähle sie, weil sie der Ursprung von allem ist, was ich heute tue. Die sieben Säulen, auf denen meine Arbeit als Trainerin und Coach steht, sind nicht aus einem Lehrbuch entstanden. Sie sind aus einem Krankenzimmer entstanden, aus einem vierjährigen Mädchen, das lernen musste, sich selbst zu tragen, lange bevor es wusste, dass genau das Resilienz heißt.
Kinderkrebs betrifft nicht nur das erkrankte Kind. Er betrifft die ganze Familie, oft über Jahre hinweg, und häufig weit über die eigentliche Behandlung hinaus. Das Dazwischen-Gefühl, das ich beschreibe, ist etwas, das viele ehemals erkrankte Kinder kennen, auch wenn kaum darüber gesprochen wird.
Der Kinderkrebs-Awareness-Monat im September lebt davon, dass Menschen hinschauen. Das kann bedeuten, Geschichten wie diese zu lesen und weiterzugeben. Das kann bedeuten, eine Familie im eigenen Umfeld zu unterstützen, die gerade mitten in einer Diagnose steckt. Und es kann bedeuten, einfach einen Moment länger bei der goldenen Schleife zu verweilen, wenn sie dir in diesem Monat begegnet, und daran zu denken, dass dahinter echte Menschen stehen.
Nicht trotz dem, was war. Genau deshalb.
Diese Haltung trägt meine Arbeit bis heute. Wenn dich diese Geschichte berührt hat, oder du selbst eine Geschichte trägst, die gehört werden will, schreib mir gern.
Die goldene Schleife wurde international als Symbol für Kinderkrebs-Bewusstsein gewählt, in Anlehnung an andere Farbschleifen für Krebserkrankungen. Gold wurde bewusst gewählt, um die besondere Kostbarkeit und Verletzlichkeit von Kindern zu unterstreichen.
Der September wurde international als Monat für Kinderkrebs-Bewusstsein festgelegt, um weltweit koordiniert auf das Thema aufmerksam zu machen und Familien, Betroffenen und Organisationen eine gemeinsame Plattform zu geben.
Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, die Erfahrung zu verdrängen, sondern sie als Teil der eigenen Geschichte zu integrieren. Viele Betroffene beschreiben, wie aus einer frühen Ausnahmesituation langfristig innere Stärke, Anpassungsfähigkeit und ein tieferes Verständnis für das eigene Leben entstehen können.
Daniela ist Trainerin für Achtsamkeit, Entspannung, Resilienz und Selbstverteidigung. Sie hilft Kindern und Erwachsenen, zur Ruhe zu kommen, innere Stärke zu entwickeln und mit mehr Gelassenheit durchs Leben zu gehen. In ihren Kursen, Workshops und Artikeln zeigt sie, wie Achtsamkeit alltagstauglich, lebendig und kraftvoll werden kann.
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